Der erste Urlaub mit Baby: Wenn die Angst vor der Schlafsituation grösser wird als die Vorfreude
Kurz zusammengefasst:
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Der erste Urlaub als Familie ist etwas ganz besonderes. Viele Eltern freuen sich auf viel gemeinsame Zeit, die erste Urlaubsreise mit Baby zu etwas Besonderem zu machen und als Familie noch stärker zusammenzuwachsen.
Und gleichzeitig tauchen oft schnell anderen Fragen auf, wie:
- Was ist, wenn mein Baby nicht richtig schläft?
- Muss ich alles so machen wie zu Hause?
- Was passiert, wenn es die ganze Nacht weint, wir andere Urlauber nachts stören und selber nicht schlafen können?
- Machen wir etwas falsch, wenn es mit dem Schlafen nicht so klappt, wie zu Hause?
Gerade beim ersten Urlaub erleben viele Eltern eine Mischung aus Vorfreude und Angst. Und manchmal nimmt die Angst einen so großen Raum ein, dass die Vorfreude nur noch wenig spürbar ist.
Die Angst vor der Angst
Wenn Eltern in die Beratung kommen, geht es oft zunächst um die Frage "Wie schaffen wir es, dass unser Baby im Urlaub gut schläft?"
Doch manchmal liegt dahinter ein Gefühl der Sorge und Angst:
- Wir machen etwas falsch.
- Wir sind nicht gut genug vorbereitet.
- Wir verlieren alles, was wir uns mühevoll aufgebaut haben, und bekommen dadurch wieder anstrengende Nächte.
- Wir muten unserem Baby zu viel zu.
Die Angst erzählt etwas sehr Wertvolles. Eltern lieben ihr Kind und wollen sich und das Baby schützen.
Kontrolle gibt Sicherheit, zumindest kurzfristig
Wenn wir Angst haben, versuchen viele von uns durch Planung Kontrolle und damit Sicherheit zurückzugewinnen. Eltern fangen an zu planen:
- Was gibt es für Betten? Wie muss die Bettensituationen sein, damit wir gut schlafen können?
- Brauchen wir ein Reisebett? Müssen wir unser Kind vorher dran gewönnen?
- Gibt es eine Verdunklungsmöglichkeit? Was nehmen wir mit, dass wir zur Not verdunkeln können?
- Welche Schlafsachen nehmen wir mit? Welche Kuscheltiere?
Natürlich können diese Dinge hilfreich sein. Aber manchmal führt das auch dazu, dass kein Gefühl der Sicherheit entsteht, sondern sich nur alles um mögliche Probleme dreht.
Die Frage verändert sich von: "Wie können wir einen schönen Urlaub erleben?" zu: "Wie können wir verhindern, dass etwas schief geht?"
Die wichtigste Frage ist manchmal nicht: Wie schläft mein Kind?
Sondern: "Vertraue ich darauf, dass wir als Familie mit Veränderungen umgehen können?"
Denn:
Urlaub bedeutet Veränderung.
- Ein anderes Bett.
- Andere Geräusche.
- Andere Tagesabläufe.
- Eine andere Umgebung.
Kinder dürfen darauf reagieren.
Und Eltern dürfen darauf reagieren.
Das Ziel muss nicht sein, dass jedes Schläfchen genauso läuft wie zu Hause.
Das Ziel kann sein:
- Wir wissen, was uns wichtig ist.
- Wir bleiben in Verbindung.
- Wir finden gemeinsam einen Weg, der zu unseren Bedürfnissen passt.
Was kann helfen, damit der Schlaf im Urlaub leichter gelingt?
Vertrauen bedeutet nicht, dass ihr euch nicht vorbereiten sollt. Eine gute Vorbereitung kann entlasten, nicht, weil ihr damit Schwierigkeiten verhindert, sondern euch damit ein Gefühl von Sicherheit geben könnt.
Ein paar Gedanken, die sich in der Praxis bewährt haben:
Wählt die Unterkunft bewusst
Wenn ihr die Möglichkeit habt, kann die Unterkunft einen Unterschied machen. Überlegt euch auch da, was ihr für einen Urlaub machen wollt und was ist euch wichtig?
Wollt ihr euch entlasten und euch zum Beispiel schon mal um das Frühstück nicht kümmern, dann ist vielleicht ein Hotel die richtige Wahl. Wollt ihr mehr Platz haben, abends vielleicht einen separaten Raum haben und vielleicht auch selbst Essen kochen, dann ist eine Ferienwohnung oder ein Mobile Home vielleicht passender
Die Urlaubsunterkunft muss im ersten Urlaub nicht perfekt sein. Ihr dürft eure Bedürfnisse genauer kennenlernen und sie werden sich sicher im Laufe der Jahre verändern.
Schaut euch den Schlafplatz an
Überlegt euch: Wie schlaft ihr zu Hause? Wie möchtet ihr im Urlaub schlafen?
Wenn möglich schaut nach, ob es passende Unterkünfte zu eurer gewünschten Bettensituation gibt.
Manchmal helfen auch kleine Veränderungen:
- Ein Bett kann, wenn es möglich und sicher ist, an die Wand geschoben werden, damit das Kind auf der Seite nicht herausfallen kann.
- Ein Rausfallschutz kann angebracht werden.
- Manche legen die Matratze des Reisebetts auf den Boden (ohne das eigentliche Reisebett) und begleiten so ihr Kind mit Körperkontakt zum Schlafen.
Wenn möglich und ihr unsicher seid, fragt nach:
- Gibt es eine Möglichkeit zur Verdunklung?
- Gibt es einen Rausfallschutz?
- Gibt es ein Baby- oder Reisebett?
Wichtig ist: Nicht jede Veränderung muss verhindert werden. Ihr dürft die Umgebung so gestalten, dass ihr euch wohler fühlt. Manchmal sind mit Veränderungen auch Entwicklungsschritte deines Kindes verknüpft.
Bitte beachtet auch im Urlaub die Hinweise zum plötzlichen Kindstod.
Nehmt Vertrautes mit
Nicht das Bett oder der Raum entscheidet, ob sie sich wohlfühlen, entspannen und einschlafen können.
Auch vertraute Dinge können helfen:
- der gewohnte Schlafsack
- ein Kuscheltier
- ein Schlaflied
- ein bestimmter Ablauf am Abend
Das gibt Orientierung, auch wenn die Umgebung neu ist.
Plant euch als Eltern mit ein
Was vielen Eltern auch hilft, ist sich darüber Gedanken zu machen, was machen wir, wenn die Nacht und das Einschlafen anders läuft?
Vielleicht hilft es euch zu besprechen:
Wie wechselt ihr euch ab?
Was hilft uns, ruhig zu bleiben?
Wie gestalten wir den Abend, die Nacht und auch den nächsten Tag, falls es mit dem Schlafen nicht so klappt, wie wir es uns wünschen?
Woran erinnern wir uns, wenn unsere Sorge im Vorfeld groß wird?
Denn nicht nur euer Kind erlebt eine neue Situation sondern auch ihr als Eltern. Deshalb hilft nicht nur die Vorbereitung, sondern auch das Wissen "Wir finden einen Weg, unseren Urlaub zu genießen, auch wenn es anders kommt."
Und was braucht ein Kind im Urlaub unbedingt?
Neben all den Vorbereitungen gerät manchmal das Wichtigste in den Hintergrund. Kinder brauchen keine perfekte Schlafumgebung, sie brauchen Menschen, die mit ihnen in Verbindung sind und ihnen Sicherheit geben. Eine vertraute Stimme. Eine Umarmung. Eltern, die da sind, und vermitteln: Ja, das ist Neu. Und wir erleben zusammen Neues.
Sicherheit entsteht nicht für Kinder dadurch, dass immer alles gleich bleibt. Sicherheit entsteht dadurch, dass Kinder erleben: Auch wenn etwas anders ist, bin ich nicht allein.
Eine schwierige Nacht bedeutet nicht, dass alles kaputt ist
Vielleicht wird es im Urlaub eine oder auch mehrere geben, die anders läuft als geplant. Vielleicht schläft dein Kind abends schlechter ein. Vielleicht wacht es häufiger auf. Vielleicht seid ihr auch müde. Vielleicht klappt es auch mit den Tageschläfchen anders. Vielleicht führt es dazu, dass ihr euren Urlaub anders gestaltet als geplant.
Das bedeutet nicht, dass ihr etwas falsch gemacht habt. Eine schwierige Nacht ist eine schwierige Nacht. Kein Beweis dafür, dass der Urlaub zu viel ist oder ihr als Eltern versagt.
Die wichtigste Ressource, die ihr mit in den Urlaub nehmen könnt, ist das Vertrauen: Wir können damit umgehen.
Der erste Urlaub ist nicht nur eine Herausforderung für den Schlaf. Es ist eine Gelegenheit für euch als Familie neue Erfahrungen zu sammeln. Und vielleicht ist genau das, die schönste Erinnerung.
Auf Instagram teile ich regelmäßig Gedanken zum Kinderschlaf. Dort tausche ich mich dazu auch mit Eltern über genau solche Fragen regelmäßig aus. Ich freue mich, wenn wir uns dort begegnen.
Wenn du das Gefühl hast, der Schlaf deines Kindes belastet dich schon länger, dann begleite ich dich gerne mit einer Schlafberatung.
Ich bin Nicola, bedürfnisorientierte Schlafberaterin und gebe euch Orientierung statt Druck. 🧡
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