Abstillen: Willst du es wirklich oder möchtest du mehr schlafen?

Dieser Artikel beinhaltet:

Warum nächtliches Abstillen nicht nur eine Frage des „Wie“ ist, welche Möglichkeiten du hast und was du bedenken kannst, bevor du dich für eine Veränderung entscheidest.

Du erfährst außerdem, was hinter nächtlichem Stillen stecken kann, was du tun kannst, wenn dein Kind protestiert – und warum du dabei nicht nur auf die Bedürfnisse deines Kindes, sondern auch auf deine eigenen schauen darfst.

Es ist mitten in der Nacht. Dein Kind wird wach und sucht die Brust. Du stillst, vielleicht zum dritten, vierten, fünften oder zehnten Mal in dieser Nacht.

Und während dein Kind zufrieden trinkt, denkst du vielleicht:

Ich kann nicht mehr.

Du liebst vielleicht das Stillen. Die Nähe. Diesen Moment, in dem dein Kind sich an dich kuschelt und zur Ruhe findet. Und gleichzeitig sehnst du dich danach, nachts wieder mehr zu schlafen und nicht bei jedem Aufwachen gebraucht zu werden.

Vielleicht möchtest du aber auch schon lange nicht mehr stillen und weißt gleichzeitig: Die Brust ist die schnellste Methode, damit mein Kind wieder einschläft und damit auch ich.

Vielleicht versuchst du gerade, nachts weniger zu stillen. Du möchtest, dass dein Kind manchmal auch ohne Brust wieder einschläft. Doch dein Kind merkt, dass etwas anders ist, spürt deine Anspannung und kommt dadurch vielleicht noch schwerer zur Ruhe.

Vielleicht hast du es auch schon mal probiert. Vielleicht fällt es dir schwer mit dem Weinen deines Kindes umgehen mit dem Wissen, ich kann mein Kind stillen und dann muss es nicht mehr weinen.

Vielleicht vergleichst du dich auch mit anderen. „Die stillen doch nachts schon lange nicht mehr.“ Oder jemand aus deinem Umfeld sagt dir: „Dein Kind ist doch jetzt wirklich alt genug.“ Vielleicht hast du deshalb auch schon darüber nachgedacht, abzustillen.

Und dann kommen Zweifel:

  • Braucht mein Kind nachts noch Milch?
  • Nehme ich ihm etwas weg, wenn ich nicht mehr stille?
  • Was mache ich, wenn es weint und die Brust einfordert?
  • Bin ich egoistisch, wenn ich mir meine Nächte zurückwünsche, und mein Kind noch stillen möchte?
  • Und schläft mein Kind danach wirklich besser?

Vielleicht weißt du gerade nicht, was der richtige Weg für dich ist.

Und genau darum soll es in diesem Artikel gehen.

Denn Abstillen ist nicht nur, wie du dein Kind von der Brust entwöhnen kannst. Es beginnt viel früher.

Bei der Frage: Was möchtest du eigentlich? Und bist du bereit etwas zu verändern?

Alles darf sein.

Welche Veränderung wünschst du dir?

Komplett abstillen

Wenn du komplett abstillen möchtest, ist eine Stillberaterin die richtige Ansprechpartnerin. Als Schlafberaterin möchte ich dich hierzu nicht individuell beraten.

Nachts eine Stillpause einführen

Vielleicht möchtest du noch gar nicht aufhören zu stillen. Vielleicht möchtest du nur nicht mehr fünfmal in der Nacht stillen. Vielleicht möchtest du morgens und abends weiterhin stillen. 

Vielleicht genießt du das Stillen tagsüber sehr und möchtest nur die nächtlichen Stillmahlzeiten verändern.

Dann musst du nicht komplett abstillen.

Nächtliches Abstillen ist nicht dasselbe wie Abstillen.

Du darfst eine Veränderung wünschen, ohne eure gesamte Stillbeziehung beenden zu müssen.

Das kann beispielsweise eine bestimmte Zeitspanne sein oder die gesamte Nacht.

Die Stillabstände langsam vergrößern

Vielleicht möchtest du nicht sofort eine komplette Stillpause. Eine Möglichkeit kann sein, die Abstände zwischen den nächtlichen Stillmahlzeiten nach und nach zu vergrößern.

Vorerst nichts verändern

Vielleicht stellst du auch beim Lesen fest: Eigentlich möchte ich noch gar nicht abstillen.

Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten, eure Nächte angenehmer zu gestalten. Vielleicht verändert ihr eure Schlafsituation, probiert eine andere Stillposition aus oder ihr findet einen anderen Umgang mit den nächtlichen Stillmahlzeiten, der für euch gerade besser passt.

Auch das ist eine Entscheidung.

Wichtig ist, dass du für dich Klarheit darüber gewinnst, was du möchtest. Denn wenn du eine Veränderung beginnst, hilft es dir und deinem Kind, wenn du innerlich weißt, warum du diesen Schritt gehen möchtest und wie du dein Kind dabei begleiten möchtest.

Braucht mein Kind nachts noch Milch?

Wenn du darüber nachdenkst, nachts abzustillen, ist das wahrscheinlich eine der ersten Fragen, die dir durch den Kopf geht.

Vielleicht hast du irgendwo gehört, dass ein Kind ab einem bestimmten Alter nachts keine Milch mehr braucht. Vielleicht sagt dir jemand aus deinem Umfeld: "Mit 14 Monaten braucht es doch nachts nicht mehr."

So einfach ist es allerdings nicht. 

Denn die Frage, ob ein Kind nachts noch Nahrung braucht, lässt sich nicht allein anhand des Alters beantworten. Auch die Ernährung über den Tag, die Entwicklung deines Kindes und die individuelle Situation spielen eine Rolle.

In meiner Ausbildung zur Schlafberaterin wird empfohlen, mit dem nächtlichen Abstillen bis mindestens zum 12. Lebensmonat zu warten. Denn gerade im ersten Lebensjahr ist die nächtliche Nahrungsaufnahme für viele Babys noch ein wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung. Außerdem zeigen die Erfahrungen aus der Schlafberatung, dass ein nächtliches Abstillen im ersten Lebensjahr nicht unbedingt zu einer Veränderung des Schlafes führt.

Und noch etwas ist wichtig:

Nicht jedes nächtliche Stillen bedeutet automatisch, dass dein Kind Hunger hat.

Stillen kann nachts viele Funktionen haben. Dein Kind kann die Brust suchen, weil es Nähe braucht, sich beruhigen möchte, zwischen zwei Schlafphasen wieder einschlafen möchte oder weil das Stillen zu einem vertrauten Teil seines Einschlafens geworden ist.

Das bedeutet aber nicht, dass du deshalb nachts weiterstillen musst, wenn du das nicht mehr möchtest.

Denn hier kommen zwei Dinge zusammen:

Das Bedürfnis deines Kindes.
Und dein eigenes Bedürfnis.

Beide dürfen betrachtet werden.

Falls du dir unsicher bist, ob dein Kind nachts noch Nahrung braucht und du dir Unterstützung möchtest, rede mit einer Schlafberaterin, Stillberaterin oder dem Kinderarzt darüber.

Was mache ich, wenn mein Kind weint?

Vielleicht hast du dir schon einmal vorgenommen: "Heute Nacht stille ich nicht mehr."

Und dann weint dein Kind beim Einschlafen ohne Stillen oder dein Kind wacht in der Nacht auf. 

Es möchte die Brust. Du sagst nein. Dein Kind beginnt zu weinen.

Und plötzlich ist die Klarheit verschwunden. 

  • "Vielleicht braucht es mich doch."
  • "Vielleicht ist es noch zu klein."
  • "Ich halte das Weinen nicht aus."

Und schließlich stillst du doch. Das fühlt sich vielleicht für dich auch falsch an. Stillen in diesem Moment bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. Du darfst deine Entscheidung anpassen. Du machts damit nichts kaputt.

Wie könnte die Sichtweise meines Kindes sein?

Schauen wir einmal die Perspektive des Kindes an. Dein Kind ist es wahrscheinlich seit seiner Geburt gewöhnt, dass Stillen ein Teil des Schlafens ist. Und jetzt muss dein Kind erst lernen ohne Stillen zu schlafen. Dein Kind ist sehr wahrscheinlich darüber traurig, wütend und enttäuscht. Diese Gefühle dürfen sein.

Und du darfst gleichzeitig bei deiner Entscheidung bleiben und dich und dein Kind liebevoll begleiten.

Ich weiß, du möchtest mit Stillen schlafen. Ich bin bei dir. Wir schaffen es, einen Weg zu finden, wie du ohne Stillen schlafen kannst.

Vielleicht siehst du jetzt vieles klarer, vielleicht sind auch noch Fragen, Sorgen und Ängste da.

Du musst dich nicht sofort entscheiden, was der Weg für dich und dein Kind ist.

Vielleicht bist du nach diesem Artikel klarer.

Vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht hast du gemerkt:

„Ja. Ich möchte nachts etwas verändern.“

Oder:

„Ich weiß noch nicht, ob ich bereit bin.“

Oder:

„Eigentlich möchte ich noch weiterstillen – aber ich brauche eine andere Lösung für unsere Nächte.“

Dann bist du nicht allein mit diesen Fragen.

Genau deshalb plane ich einen Workshop zum Thema „Nächtlich abstillen – bin ich bereit?“

In einer kleinen Gruppe möchte ich mit euch genau diese Fragen anschauen:

  • Was möchte ich eigentlich?
  • Welche Möglichkeiten habe ich?
  • Wie kann ich mein Kind begleiten, wenn es protestiert?
  • Wie gehe ich mit meinen eigenen Ängsten und Zweifeln um?
  • Und wie kann ich eine Entscheidung treffen, die sich für mich richtig anfühlt?

Der erste Termin steht noch nicht fest.

Wenn du Interesse hast, kannst du dich unverbindlich auf die Interessenliste setzen und schreibe mir dazu eine Email an [email protected]. Ich informiere dich, sobald der erste Termin feststeht.

Wenn du jetzt direkt Unterstützung möchtest, buche gerne eine Schlafberatung bei mir.